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 Kapitalismuskritik - Billigholz aus Südamerika

 

Ist die Kapitalismuskritik berechtigt?

Manfred Julius Müller

 

Die Welt ist ungerecht! Einerseits schwelgen Milliardäre in ihrem Reichtum, andererseits lebt über die Hälfte der Menschheit in Armut. Angesichts dieser Diskrepanzen fällt es wirklich nicht schwer, den Kapitalismus anzuprangern und in Frage zu stellen.

Viele Meinungsmacher ziehen aus der Fülle der unbewältigten Probleme ihren Nutzen und schreiben aufwiegelnde Abhandlungen und Bücher, die nicht selten zu Bestsellern werden.
Doch wem nützt das alles? Es ist kein großes Kunststück, offensichtliche Missstände anzuprangern und auf die vermeintlichen Übeltäter einzudreschen. Es ändert sich dadurch leider wenig. Die einseitige Kapitalismuskritik sorgt oft nur dafür, dass die Empörung sich entlädt und ins Leere läuft und das Großkapital sich ungehindert weiter vermehren kann.

Noch kontraproduktiver als die blinden Wutattacken gegen den Kapitalismus erweisen sich die daraus abgeleiteten Alternativen. Wer am Ende seiner Kapitalismuskritik den Kommunismus lobpreist, unterstützt letztlich seine Gegner. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion kann die Idee einer staatlich gelenkten Zentralwirtschaft nicht wirklich begeistern. Wer die Debatte auf dieses Thema verkürzt, spielt den Kapitalisten in die Hände.

Als ebenso destruktiv erweisen sich die vielen anderen Phantasiegebilde einer heilen Wirtschaftswelt. Dazu zählen die immer wieder geforderten Geld- und Bodenreformen, Negativzinsen, Landbesitzenteignungen, usw.

Glaubt jemand ernsthaft, dass solche Radikalreformen jemals die kleinste Chance einer Umsetzung haben? Den Zins und Grundbesitz als Wurzel allen Übels zu brandmarken halte ich für unangemessen und tollkühn. Als töricht erweist sich auch die ständig geschürte Hoffnung auf weltweit gültige wirtschaftliche Spielregeln und Standardnormen zur Beendigung des Dumpingsystems. Mit der Hoffnung auf Besserung wird die Menschheit schon seit einem halben Jahrhundert genasführt und man wird sie mit diesem billigen Köder auch noch die nächsten 200 Jahre beruhigen und hinhalten wollen.

 

Kapitalismuskritik: Die ewigen Ablenkungsdebatten müssen ein Ende haben!

Auf beiden Seiten wird getrickst und betrogen, um von den wirklichen Ursachen unseres Niedergangs abzulenken.

Die Kapitalismuslobby, dazu zähle ich auch die Medien und die meisten Politiker, versuchen mit allen Mitteln, der Bevölkerung die Schuld der Misere in die Schuhe zu schieben. Sie soll gefälligst ihr Anspruchsdenken herunterschrauben, mehr arbeiten, weniger verdienen, flexibler sein, mehr lernen und und und...
Mehr als diese unverschämte Schuldzuweisung fällt den treuen Vasallen des Kapitals nicht ein. Die neoliberale Abwärtsspirale als unsere einzige Chance zu verkaufen ist an Schamlosigkeit kaum noch zu toppen.

Aber auch die Kapitalismuskritiker machen schwerwiegende Fehler. Sie versuchen blindwütig, das komplette kapitalistische System zu verdammen und mit absurden Ideen und Forderungen die Welt auf den Kopf zu stellen. Beide Parteien sorgen somit letztlich dafür, dass von den wirklichen Kardinalfehlern des derzeitigen Global-Kapitalismus nur abgelenkt wird und die wirklich relevanten Fragen gar nicht gestellt werden.

 

Kapitalismuskritik: Woran es wirklich hapert!

Wir müssen endlich damit aufhören, uns immer wieder auf Scheindebatten einzulassen und auf Ablenkungsmanöver hereinzufallen.

1. Die Hauptursache für den wirtschaftlichen Niedergang Deutschlands ist das globale Dumpingsystem.
Wir können nun einmal nicht zu den Löhnen der Chinesen oder Polen arbeiten. Diesen Grundsatz müssen endlich einmal auch die politischen Entscheidungsträger einsehen und begreifen. Wir können es nicht, weil unsere ganze Kostenstruktur sich nicht um 90 % absenken lässt - allein schon wegen der hohen Staatsverschuldung funktioniert das nicht.

2. Wir können nicht auf das Dumpingniveau der anderen Länder einsteigen, und wir müssen es auch nicht!
Über Jahrtausende haben Zollschranken in allen Hochkulturen die Staatskassen gefüllt und die heimische Wirtschaft vor einem mörderischen Vernichtungswettbewerb bewahrt. Allzu große Kostenunterschiede und Standortnachteile wurden dadurch elegant ausgeglichen.

An dieses erprobte System sollten wir uns wieder erinnern. Das heißt nicht, dass wir das alte Zollsystem unbedingt wieder installieren müssen - es gibt derweil andere und gezieltere Methoden. Das Grundprinzip funktioniert aber auch heute noch genau so gut wie einst, die Gesetze der Logik haben sich zum Glück nicht geändert.

Dass wir nicht auf das Zollsystem angewiesen sind erwähne ich vor allem deshalb, weil die Feinde eines allgemeinen Bevölkerungswohlstands nur auf das Wort „Zoll" lauern, um mit ihrer gewaltigen Propagandamaschinerie solche Erwägungen sofort im Keim ersticken zu können. Wer Zölle fordert, erhält die verbale Prügelstrafe - ihm wird postwendend jegliche Kompetenz abgesprochen.

3. Wir müssen endlich aufhören, uns von anderen Staaten und der Kapitalismus-Lobby veräppeln zu lassen.
Der andressierte Tunnelblick in Deutschland registriert lediglich Zollschranken als Protektionismus (Abschottung der eigenen Wirtschaft vor ausländischer Konkurrenz). Dabei gibt es Dutzende andere Arten von Protektionismus, die weit wirkungsvoller und gefährlicher sind - von uns aber gar nicht wahrgenommen werden, weil „Experten" und Medien dieses Thema tabuisieren.

Zu den wirklich üblen Arten des Protektionismus zählt zum Beispiel die weitverbreitete Korruption in vielen Ländern (die der ausländischen Konkurrenz oft keinerlei Chancen lässt), dazu zählt ebenso eine vom Staat geduldete Produktpiraterie, vor allem zählen aber dazu die drei elementaren Dumpingstrategien: das Lohndumping, das Sozialdumping, das Umweltschutzdumping. In vielen Ländern wird das Lohndumping auch noch staatlich unterstützt (zum Beispiel durch das Verbot von freien Gewerkschaften).

Fazit: Mit einem ganzen Arsenal von protektionistischen Wunderwaffen schützen sich die meisten Länder, während wir auf unser einziges bewährte Mittel der Vergangenheit, nämlich auf die Zölle, großzügig verzichten.
Dieser einseitige Irrsinn muss endlich aufhören! Wir dürfen den Protektionismus nicht länger tabuisieren, wir müssen offen darüber reden.

4. Wir müssen endlich aufhören, uns von Politkern und den Schreiberlingen der Verlegerdynastien die Notwendigkeit der neoliberalen Abwärtsspirale einreden zu lassen.

Ständig werden wir medial darauf eingestimmt, dass Lohnkürzungen, Arbeitszeitverlängerungen und staatliche Sparmaßnahmen unumgänglich sind. Die Meinungsmache nimmt bereits Formen an, die an eine einseitig gelenkte Gehirnwäsche erinnern. Viel einseitiger und erfolgreicher kann die nationalsozialistische Propagandamaschinerie der 1930er Jahre auch kaum gewesen sein.

Besonders zynisch: Die durch ständige Parolen und Belehrungen aufgehetzte bzw. umerzogene Bevölkerung wird dann auch noch in Meinungsumfragen zur Bestätigung der neoliberalen Doktrin missbraucht. Wenn den Menschen tausendmal eingeimpft wurde, dass Lohnsenkungen und Mehrarbeit die einzige Antwort auf die globale Herausforderung seien, dann bringen zustimmende Umfragewerte noch lange kein Beweis für die Richtigkeit dieser Theorien.

5. Der produktive Fortschritt lässt sich nicht wegdiskutieren.

Bei allen gezielten Ablenkungsmanövern sollte niemals vergessen werden, dass der produktive Fortschritt jährlich zu einem Wohlstandsanstieg von zwei bis drei Prozent führen müsste (bzw. entsprechender Arbeitszeitverkürzung). Diesen Grundsatz versucht man immer wieder zu verdrängen. Seit 1980 hätte also bei einer „Normalfunktion" des Kapitalismus der Wohlstand in Deutschland um mindestens 80 % anwachsen müssen - er ist aber um etwa 15 % gesunken.

Dieses Paradoxon muss endlich aufgeklärt werden.

 

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 © Manfred J. Müller, Flensburg, Februar 2006

  

"Die da oben machen das schon ..."

Ein wenig Gottvertrauen kann sicher nicht schaden. Aber die unkritische Haltung der Bevölkerungsmehrheit gegenüber Politik und Medien ermöglicht erst unseren schleichenden wirtschaftlichen Niedergang. Mit populistischen Umverteilungsritualen werden Wählerstimmen "gekauft", mächtige Lobbyistenverbände setzen sich durch und eine weitverbreitete "political-correctness"-Ideologie verhindert aufrichtige Auseinandersetzungen.

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Manfred Julius Müller analysiert seit 30 Jahren weltwirtschaftliche Zusammenhänge und veröffentlicht brisante Aufsätze zu den heikelsten Themen. Er entwickelte neue Wirtschaftstheorien, die weltweit neue Maßstäbe setzten und in manchen Ländern in wichtigen Bereichen die Gesetzgebung beeinflussten. Seine Websites erreichen im Jahr etwa eine Million Besucher. Inzwischen sind auch einige Bücher erschienen, u. a. die Trilogie "DAS KAPITAL".